Albert Vigoleis Thelen

 
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· Wichtiges Buch über Thelen und Teixeira de Pascoaes

07.08.2026

Alexander Reißner widmet sich einer vernachlässigten Frage: Wie erklärt sich Thelens Bewunderung für das Werk von Teixeira de Pascoaes?

Auch wenn es kein Geheimnis ist, dass wissenschaftliche Arbeiten über Albert Vigoleis Thelen den Buchmark nicht gerade überschwemmen, so wurde das Thema „Thelen und Pascoaes“ bislang überhaupt noch nicht vertiefend behandelt. Und hier liegt das zentrale Verdienst von Reißner.

Der Germanist Alexander Reißner, der glücklicherweise des Spanischen und des Portugiesischen mächtig ist, beschäftigt sich mit den Einflüssen der Iberischen Halbinsel auf Thelen, und behandelt neben Teixeira de Pascoaes (1877-1952) auch den spanischen Philosophen und Schriftsteller Miguel de Unamuno (1864-1936) wobei er hauptsächlich auf dessen Werk „Das Leben Don Quijotes und Sanchos“ rekurriert. Zum einen sei es die Beschäftigung mit dem Thema des Individuums im Verhältnis zur literarischen Figur, die Thelen beschäftigte, zum anderen habe Unamunos „anarchistischer Humor“ Thelens Aufmerksamkeit erregt. Reißners Hauptaugenmerk liegt aber auf dem portugiesischen Mystiker Pascoaes, bei dem Thelen zwischen 1939 und 1947 lebte und damit die Zeit der Nazidiktatur überlebte.

Alleine aus diesem Grund war der Einfluss von Pascoaes auf Thelen größer als derjenige Unamunos, und auch, weil Thelen die Werke des Portugiesen übersetzt hat. Dabei haben Thelens Übersetzungen nicht nur seinen Wortschatz erweitert, er hat auch von der Gedankenwelt der übersetzten Werke profitiert. In der „Insel des zweiten Gesichts“ formuliert Thelen selbst, dass er bei Pascoaes Antworten auf Fragen fand, nach denen er lange gesucht hatte. Fragen der Religion und der Mystik und insbesondere Fragen eines Glaubens, der nicht an einen bestimmten Gott gebunden ist. Es existiert laut Pascoaes eine Mystik bzw. Religion ohne Gott und Thelen konnte sich, so Reißner, nach der Beschäftigung mit den Werken von Pascoaes vom nichtgeglaubten Gott lösen. Es ist gut möglich, dass der Titel der nie komplett erschienenen Fortsetzung der „Insel“ hier seinen Ursprung hat. Der Titel des Buches sollte lauten: „Die Gottlosigkeit Gottes oder Das Gesicht der zweiten Insel.“

Reißner sieht, neben den religiösen Aspekten, auch stilistische Übereinstimmungen zwischen dem Portugiesen und Thelen: im Digressiven, in der Assoziation sowie in der Kombination weit auseinanderliegender Themenkomplexe. Das mag durchaus zutreffen, aber Reißners These, die „Insel“ sei „die angewandte Poetik des Teixeira de Pascoaes“ können wir nur in Bezug auf Teile der Thelenschen Gedankenwelt zustimmen nicht aber auf die stilistische Ausgestaltung, die Wortkreativität und die Themenbreite seines Werkes.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Alexander Reißner die Thelen-Forschung um einen bislang vernachlässigten Aspekt bereichert. Deshalb ein dieser Stelle eine Leseempfehlung.

Das Buch kann sowohl im stationären Buchhandel als auch im Online-Handel erworben werden:
Alexander Reißner, Albert Vigoleis Thelen und die Iberische Halbinsel. Eine motivgeschichtliche Annäherung an Teixeira de Pascoaes. Baden-Baden 2024, 278 Seiten, Euro 69,00.

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