Albert Vigoleis Thelen

 
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· Neue Sekundärliteratur zu Thelen

06.11.2017

So häufig kommt es nicht vor, dass wir an dieser Stelle auf neue Sekundärliteratur zu Albert Vigoleis Thelen hinweisen. Aber in diesem Fall lohnt sich der Blick.

Gemeint ist der soeben erschienene Band von Moritz Wagner „Babylon – Mallorca. Figurationen des Komischen im deutschsprachigen Exilroman“ (J.B. Metzler Verlag 2017, 396 S., 79,99 Euro). Wagner, Oberassistent für Neuere deutsche Literatur an der Universität in Genf, untersucht in seiner Dissertation die folgenden drei Werke:
Alfred Döblin, Babylonische Wandrung oder Hochmut kommt vor dem Fall (1934), Veza Canetti, Die Schildkröten (1939) und Thelens Insel des zweiten Gesichts (1953). Die Analyse der Insel umfasst immerhin 68 Seiten und die gehören mit zum Besten, was an Sekundärliteratur zu Thelen bislang erschienen ist.
Gleich im Vorwort weist Wagner darauf hin, dass Thelens Hauptwerk den Anstoß dafür gab, sich mit dem Phänomen der Komik in der Exilliteratur zu beschäftigen. Zweifelte Fritz J. Raddatz in seiner Rezension der Thelenschen Briefausgabe „Meine Heimat bin ich selbst“ (Die Welt vom 15.1.2011) den Emigrantenstatus Thelens unverständlicherweise noch an, so würdigt Wagner die Insel „als ein bedeutendes Werk der deutschsprachigen Exilliteratur“. Zur vieldiskutierten Frage der gattungsmäßigen Einordnung der Insel zwischen Autobiografie und Roman, die bereits seit dem Ende der 1980er Jahre gestellt wird, führt er den klug gewählten Begriff der „Autofiktion“ in die Thelenforschung ein. Weiterhin verortet er den Protagonisten Vigoleis als Pikaro und beschäftigt sich ausführlich mit den Fremdenführer-Szenen als Beispiele antifaschistischer Satire.
Es sind nicht nur die von Wagner eingeführten Begriffe, wie „Digressionskomik“, „melancholische Selbstverlachung“ (mit der Thelen dem historischen Ernst begegnet) und „humoristische Metafiktion“, die seine Studie zu einem äußerst wertvollen Beitrag zur Thelenforschung machen, sondern auch die nahezu lückenlose Berücksichtigung der bislang erschienenen Sekundärliteratur zu Thelen.
Der Preis der Studie ist hoch, aber man wünscht jedem, der über eine Thelen-Sammlung verfügt, er möge sie besitzen. Und lesen!

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